Gerhard Schweizer, Islam verstehen

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„Im vorliegenden Buch versuche ich zu zeigen, dass »Islam« für viele Hundert Millionen Gläubige etwas völlig anderes bedeutet als das, was radikale Splittergruppen als den »wahren Glauben« und die einzig richtige Gesellschaftsform propagieren.“ (18)

Gerhard Schweizer setzt sich intensiv sowohl mit dem schwierigen Verhältnis zwischen westlich-christlicher Kultur und dem Islam, als auch mit den verschiedenen unterschiedlichen Facetten im Islam selbst auseinander. Dabei bietet er einen historischen Abriss in der Entwicklung beider Religionen sowie ihrer Beziehungen von der Entstehung des Islam bis in die Gegenwart.

Mit zahlreichen Beispielen aus dem Alltag, die der Kulturwissenschaftler Schweizer über viele Jahre auf seinen Reisen in der muslimischen Welt machen konnte, gibt er einen persönlichen Einblick sowohl in Alltagsdenken als auch in die unterschiedlichen Auffassungen von Religion von Muslimen.

Kommen zunächst die zahlreichen Vorurteile zwischen Christen und Muslimen zur Sprache, wobei vor allem auf die Einseitigkeit westlichen Medien verwiesen wird, werden anschließend die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen sowie die Grundlagen der Einteilung zwischen Gläubigen und Ungläubigen bereits in der Antike aufgezeigt.

Wie weltoffen der Islam sich schon einmal gestaltet hat, wird am Beispiel Saladins ebenso beschrieben, wie die Entwicklung der modernen Toleranz in der westlichen Welt. Durchgängig werden Parallelen der Entwicklung in der westlichen und islamischen Welt gezogen sei in den Religionskriegen zwischen den verschiedenen Konfessionen bei Christen wie Muslimen.

Daneben Fragen nach dem Umgang mit „Abtrünnigen“ und „Ketzern“ im Islam, nach dem Umgang mit religiösen Minderheiten, wie z.B. den Juden „als Prüfsteine der Toleranz“ ausführlich unter die Lupe genommen. Neben dem Willen zum Dialog zwischen den Religionen sowie den Widerständen geht Schweizer auch den Ursachen für den zunehmenden Fundamentalismus in der islamischen aber auch westlichen Welt nach, wobei verschiedene Modellfälle des Islamismus wie z.B. in Algerien, Iran oder der Türkei vorgestellt werden.

Aber auch die breiten Spannungsfelder der Gegenwart wie Terrorismus und die muslimische Zuwanderung, die in weiten Teilen Europas Ängste auslöst, werden auf ihre Hintergründe und wahren Dimensionen hinterfragt. Neben den Entwicklungen innerhalb der arabischen Länder zu Beginne des 21. Jahrhunderts wird der Frage nach einer islamischen Moderne und den Reibungspunkten mit der westlichen Moderne nachgegangen.

Gerhard Schweizer plädiert für ein differenziertes Verständnis für den Islam und die muslimische Kultur und versucht zahlreiche Missverständnisse und Vorurteile, vor allem im Westen, entgegenzutreten. Dabei wirbt er mit zahlreichen Beispielen aus dem persönlichen Erfahrungsbereich um Sympathie und zeigt auf, wie vielfältig das Denken und religiöse Verständnis in der muslimischen Welt sein können.

Ein lesenswertes Plädoyer für Toleranz und kulturelle Offenheit, bei dem der Autor aber vorwiegend die westlichen Leser in die Pflicht zu nehmen scheint. Während der Westen weitgehend als kulturell ideologische Block erscheint auf, den auch fundamentalistische Bewegungen wie in den USA abfärben, werden Entwicklungen in der muslimischen Welt als Teilerscheinungen kategorisiert. Die interessanten Informationen und die Darstellung wichtiger historischer Entwicklungen bieten einen differenzierten Einstieg in einen Dialog zwischen den unterschiedlichen Kulturen.

Gerhard Schweizer, Islam verstehen. Geschichte, Kultur und Politik
Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2017, 612 Seiten, 10,30 €, ISBN 978-3-608-98100-1

 

Weiterführende Links:
Klett-Cotta Verlag: Gerhard Schweizer, Islam verstehen
Wikipedia: Gerhard Schweizer

 

Andreas Markt-Huter, 11-04-2018

Bibliographie
AutorIn: 
Gerhard Schweizer
Buchlangtitel: 
Islam verstehen. Geschichte, Kultur und Politik
Erscheinungsort: 
Stuttgart
Verlag: 
Klett-Cotta Verlag
Seitenzahl: 
612
Preis in EUR: 
10,30
ISBN: 
978-3-608-98100-1
Kurzbiographie AutorIn: 

Gerhard Schweizer promovierte an der Universität Tübingen in Empirischer Kulturwissenschaft und lebt heute als freier Schriftsteller in Wien. Er ist einer der führenden Experten für die Analyse der Kulturkonflikte zwischen Abendland und Orient und gilt als ausgewiesener Kenner der islamischen Welt.

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