ANNO: März 1938 – Der Anschluss Österreichs in Zeitungsquellen

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Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich jährt sich mittlerweile zum 80. Mal. Nur wenige Ereignisse lassen die Dramatik der Geschichte eines Landes so anschaulich nacherleben, wie die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich im Spiegel der österreichischen Tageszeitungen im März 1938.

Es waren spannungsgeladene Tage, die in der 2. Märzwoche im Jahr 1938 das Ende österreichischen Ständestaates einleiten sollten. Noch am Donnerstag den 10. März 1938 wurde Stimmung für eine für Sonntag am 13. März geplante Volksbefragung für ein unabhängiges Österreich gemacht. Diese hatte Bundeskanzler Schuschnigg als letzen Ausweg gegen den zunehmenden Druck Hitlers auf die österreichische Regierung ausrufen lassen. Am Samstag den 12. März war die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich bereits vollzogen. Anhand von österreichischen Tageszeitungen aus dem Archiv von ANNO - Austrian Newspapers Online lassen sich die letzten Tage bis zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich hautnah miterleben.

 

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Die Zeitungen der 1. Republik und des Ständestaates verwendeten die damals gängige Frakturschrift, bei der es sich um eine Druckschrift handelt, die im deutschen Sprachraum vom 16. Jahrhundert bis ca. 1940 in unterschiedlichen Varianten verwendet wurde. Entwickelt hat sich die Schrift aus der seit dem 12. Jahrhundert verwendeten gotischen Buchschrift.

Mit ein wenig Übung lässt sich die ungewohnte Schrift relativ rasch lesen und die Dokumente erwecken die Stimmung, das Denken und die Sprache der damaligen Zeit wieder zum Leben. Das im Bild vorgestellte Alphabet in Frakturschrift soll beim Einstieg in das Lesen historischer Dokumente behilflich sein.


Viele Buchstaben der Fraktura-Schrift sind den lateinischen Buchstaben sehr ähnlich. Beachten sollte man den kleinen Unterschied zwischen dem kleinen f und dem langen s (rechts neben dem kleinen s). Beim f ist der Querstrich ein wenig links und vor allem rechts, beim langen s hingegen nur links.

 

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Fünf Jahre nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, kommt es in Österreich zu einem dramatischen Schauspiel, um die Selbständigkeit Österreichs. Bundeskanzler Schuschnigg versucht in einem Wettlauf mit der Zeit die drohende Gefahr eines Einmarsches deutscher Truppen in Österreich durch eine Volksabstimmung zu verhindern, mit der die Unterstützung der Bevölkerung und des Auslandes mobilisiert werden sollte.

Hitler hingegen versucht diesem Plan mit allen Mitteln zuvorzukommen, da er für sein Rüstungsprogramm dringend die Gold- und Währungsreserven Österreichs benötigt.

In den österreichischen Tageszeitungen spiegelt sich die Stimmung der damaligen Zeit in den aufgeregten Schlagzeilen, Aufrufen und Beiträgen wieder. Dabei überrascht wie schnell in den einzelnen Redaktionsstuben der Machtwechsel auch emotional vollzogen wird.

Donnerstag, 10. März 1938

Noch am 10. März 1938 steht die geplante Volksabstimmung am 13. März im Mittelpunkt der Berichterstattung, die zumeist von glühenden Bekenntnissen für ein freies Österreich begleitet sind.
 


Tagespost Nr. 57, 10. März 1938, S. 1, Am Sonntag Volksbefragung in Österreich. Quelle: ANNO

 


Der Bauernbündler, Nr. 1093a, 10. März 1938, Sonderausgabe, S.1, Ein Aufruf des Frontführers: Für ein freies, deutsches Österreich. Quelle: ANNO

 


Tagblatt, Nr. 57, 10. März 1938, Sonntag, den 13. März 1938: Volksabstimmung in Oesterreich! Quelle: ANNO

 


Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg sieht in der Volksabstimmung für ein freies Österreich die letzte Möglichkeit, die Selbständigkeit Österreichs zu sichern. Er ist es aber auch,  der den Befehl gibt, den einmarschierenden deutschen keinen militärischen Widerstand zu leisten. Quelle: Wikipedia

 


Vorarlberger Tagblatt, 10. März 1938, S. 1, Volksbefragung am 13. März. Quelle: ANNO

 

Freitag, 11. März 1938

Bereits in den Tageszeitungen vom 11. März beginnt die Stimmungslage in den Tageszeitungen leicht zu kippen. Die begeisterten Aufrufe zur Volksabstimmung und für ein unabhängiges Österreich sind spürbar ruhiger geworden und in manchen Zeitungen lassen sich Spuren der Zensur erkennen.

 


In der rechten Spalte der Tagespost und hier nicht sichtbar im unteren Bereich der Seite wurden Beiträge entfernt. Tagespost Nr. 58. Volksabstimmung und Bundesverfassung. Quelle: ANNO

 


Die jüdische Bevölkerung war sich von Anfang der großen Gefahr bewusst, die eine Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich bedeuten würde. Jüdische Presse Nr. 10, 1938, S. 1: Volksabstimmung in Österreich. Quelle: ANNO

 

Jüdische Presse Nr. 10, 1938, S. 3, Quelle: ANNO

 


Gleich nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich kam es zu den ersten Repressalien gegenüber jüdischen Mitbürgern. Quelle: Österreichisches Nationalarchiv, Wikipedia

 

Samstag, 12. März 1938

Am 12. März lassen sich in manchen Zeitungen bereits die ersten Bekenntnisse für den Nationalsozialismus erkennen, während einzelne Zeitungen immer noch Stimmung für die mittlerweile bereits abgesagte Volksabstimmung am 13. März machen.

 


Österreichische Arbeiter-Zeitung, Nr. 11, 12. März 1938, S. 1, Die Stunde der Arbeiterschaft. Quelle: ANNO

 


Tages-Post, Sonntagsblatt, Nr. 59, 12. März 1938, Der Glaube hat gesiegt / Oesterreich ist frei geworden! Quelle: ANNO

 


Bereits am 12. März verwendet das Vorarlberger Tagblatt das Hakenkreuz in ihrer Zeitung und begrüßt die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich. Vorarlberger Tagblatt, 12. März 1938, S. 1, Der Sieg des Nationalsozialismus in Österreich. Quelle: ANNO

 


Noch ruft die Zeitung "Der Bauernbündler" zur Unterstützung Schuschniggs auf. Der Bauernbündler, Nr. 1094, 12. März 1938, S. 1, Treuekundgebung des Oesterreichischen Reichsbauernrates für Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg. Quelle: ANNO

 


Im Linzer Volksblatt wird der Nationalsozialismus in Österreich mit Begeisterung begrüßt. Linzer Volksblatt, Nr. 59, 12. März 1938, S. 1, An alle deutschen Männer und Frauen. Quelle: ANNO

 


Die Wochenzeitung "Vorarlberger Volksbote" wurde von den Ereignissen überholt. Hier finden sich noch Aufrufe zur Volksabstimmung, die offiziell bereits abgesagt worden war. Vorarlberger Volksbote, Nr. 11, 12. März 1938, S. 1, Der Kanzler ruft! Wir alle stimmen mit: „Ja“. Quelle: ANNO

 

Sonntag, 13. März 1938

 


Auch die offizielle Zeitung Österreichs begrüßt die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich. Wiener Zeitung Nr. 71, 13. März 1938, S. 1, Großdeutscher Anbruch. Quelle: ANNO

 


Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, die von zahlreichen Österreicherinnen und Österreichern mit Begeisterung empfangen worden sind, wird der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich besiegelt. Quelle: Wikipedia

 

Montag, 14. März 1938

Bereits am 14. März hat sich die Berichterstattung der österreichischen Tageszeitung vollkommen auf die neuen Verhältnisse eingestellt und begrüßt frenetisch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Dabei erstaunt, wie sich über Nacht der österreichische Journalismus an die neuen politischen Verhältnisse angepasst hat und über die reine Berichterstattung hinaus seine Zustimmung zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündet.

 


Tagespost, Nr. 61, 14. März 1938, S. 1, Ein Volk – ein Reich – ein Führer! Quelle: ANNO

 


Neue Freie Presse, Nr. 26404 A, 14. März 1938, S. 1, Oesterreich ein Land des Deutschen Reiches. Quelle ANNO

 


Linzer Volksblatt, Nr. 60, 14. März 1938, S. 1, Der Führer in Linz – Oesterreich ein Land des Deutschen Reiches. Quelle: ANNO

 


Weltblatt, Nr. 60, 15. März 1938, S. 1, Oesterreich ein deutsches Land – Der Führer heute in Wien! Quelle: ANNO

 


Trat die Zeitung "Der Baunernbündler" eine Woche zuvor noch begeistert für die Unabhängigkeit Österreichs ein, war eine Woche später die selbe Begeisterung für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu sehen. Der Bauernbündler, Nr. 1095, 19. März 1938, S. 1, Dank dem Führer! Quelle: ANNO

 

Weiterführende Links:
ANNO - Austrian Newspapers Online
Wikipedia: Anschluss Österreichs
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

 

>> Gedenkjahr 1938: Der Anfang vom Ende Österreichs

 

Andreas Markt-Huter, 13-03-2013
aktualisiert: 23-02-2018

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